Fritz Boehle’s letztes Selbstbildnis, um 1915

Biografie

Fritz Boehle, eigentlich Karl Friedrich Boehle

deutscher Maler, Radierer und Bildhauer

  • geboren 7. Februar 1873 in Emmendingen
  • gestorben 20. Oktober 1916 in Frankfurt am Main
  • 1886 – 1892 Ausbildung am Städelschen Kunstinstitut
  • 1892 – 1893 Studium an der Kunstakademie in München
  • 1894 – 1897 Tätigkeit in München
  • 1895 Studienreise nach Italien
  • 1897 – 1916 Freischaffender Künstler in Frankfurt am Main
  • 1905 Boehle lehnte eine Professur an der Karlsruher Kunstakedemie ab
  • 1907 Goldmedaille für 12 Radierungen auf Berliner Kunstausstellung
  • 1908 Einzelausstellung in den Räumlichkeiten des Staedelschen Kunstinstitutes
  • 1910 Umzug in das „BOEHLE HAUS“ in Frankfurt-Sachsenhausen
  • 1910 „Grand Prix“ der Brüsseler Weltausstellung für die Skulptur „Schreitender Stier“.
  • 1916 Retrospektive im Frankfurter Kunstverein
  • 1932 Gedächtnisausstellung im ehemaligen Wohnhaus in Frankfurt-Sachsenhausen
  • 2017 Retrospektive in der Frankfurter Paulskirche

Fritz Boehle karikiert v. Lino Salini

Friedrich Boehles Leben sei kurz skizziert:

Auszug aus dem Text zur Gedächtnisausstellung „der unbekannte Boehle“ im Boehlehaus (Ffm.)

1932, Autor: Rudolf Schrey

Geboren am 7, Februar 1873 zu Emmendingen in Baden als Sohn des aus Frankfurt stammenden Johann Friedrich Boehle, der dann 1880 mit seiner Familie nach unserer Stadt zog, um sich da selbstständig zu machen.
Nach Privatstunden bei dem Maler Jakob Wiek kam er Herbst 1886 an die Städelsche Kunstschule, wo er gründlichen Zeichenunterricht bei Professor Hasselhorst genoss; nachdem er 1891/92 noch die Figurenklasse bei Frank Kirchbach zwei Semester lang besuchte, zog er nach München an die Akademie. Mit Professor Wilhelm Diez, dessen Malklasse er bezog, konnte er sich jedoch nicht verstehen und so verließ er die Akademie und bildete sich selbständig weiter. In München war es auch, wo er die Radierkunst erlernte und gleich sich an große Formate wagte, vier Blatt mit mittelalterlichen Rittern waren seine ersten Arbeiten dieser Art. Schon frühzeitig hatte unser Künstler Vorliebe für grosse Formate, die 1893 entstandenen zwei Gemälde mit Kirchgängern in Altenheim (bei Emmendingen) geben hiervon Zeugnis. Die Ferien brachte er mit Vorliebe im großelterlichen Haus, beim Lammwirt in Emmendingen zu, wo er fleißig das Leben in der kleinstädtischen und ländlichen Umwelt studierte.

Im Frühjahr 1895 unternahm er eine Studienreise nach Oberitalien, im Herbst 1897 kam er wieder in seine eigentliche Vaterstadt, nachdem er im Jahre vorher noch eine größere Folge seiner besten Radierungen geschaffen hatte. Frankfurt verließ er fortan nicht mehr, einige kleine Wander- und Studienfahrten abgerechnet.

Boehle trat nie an die Öffentlichkeit, im stillen, aber emsigen Schaffen entstanden jetzt seine besten Werke, noch einmal – 1906 – entstand eine größere Serie seiner Radierungen, denen eine entscheidende Stilwandlung vorausgegangen war. Durch Pidoll und Hildebrand wurde er mit den Kunstbestrebungen Hans von Marees vertraut und um 1906 fing er an, sich einem neuen Kunstgebiet, der Bildhauerei, zu widmen und er hatte das Glück, gleich zwei grosse Aufträge zu erhalten, von Frankfurt ein Standbild des Kaiser Karl für die »alte Brücke», die einer neuen weichen musste, und vom Großherzog von Baden ein Reiterstandbild des Gründers von Karlsruhe, des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach. Ende 1908 veranstaltete das Städelsche Kunstinstitut eine umfangreiche Ausstellung von Werken des Künstlers und wurden zwanzig Gemälde für die eben gegründete städtische Galerie erworben. Diese Ankäufe und andere Einnahmen verschafften ihm die Ausführung seines Lieblingsgedankens, der Schaffung einer eigenen Heim- und Arbeitsstätte, die nach seinen eigenen Plänen auf dem Sachsenhäuser Berg entstand und die nun in der Hautsache während der Ausstellung zugängig sind.

Die Ungunst der Verhältnisse verhinderte leider die Ausführung der großen Pläne, mit denen sich der Künstler trug und sein früher Tod am 20. Oktober 1916 setzte allen seinem Streben ein Ende.